Schreibt was ihr wollt, und schreibt viel!

Nina George hält lachend einen Vortrag in den Räumen des Schreibhain.
Auf der Bestsellerliste lässt es sich gut lachen: Nina George im Schreibhain.

Am Sonntag war Nina George dankenswerter Weise mit ihrem Mann Jo Kramer bei uns im Schreibhain, um vor einer Meute künftiger BestsellerautorInnen durchaus unterhaltsam über das Wesentliche zu sprechen, nämlich: Geld.
Hier das Fazit:
1: Gebt euch niemals mit weniger als 6% (besser 8 oder 9) des Nettoladenpreises eures Buches zufrieden.
2: Seid nicht traurig, wenn der Vorschuss für euer Debutwerk nur bei zwischen 0 und 10 000 Euro liegt. Die goldenen 90er sind vorbei, mehr ist nicht zu erwarten, weniger durchaus…
3: Meldet euch bei der VG Wort an, sobald auch nur ein gedrucktes Wort von euch in Umlauf ist! Ist nicht kompliziert, spült aber verlässlich im Mai/Juni Geld für Sommerkleidchen, Sommerurlaube, Sommerhäuser (je nach Ruhm und Werkumfang) auf eure Konten.
4: Eine Agentur bekommt 15 % eurer Einnahmen. Nicht mehr.
5: Es ist wahrscheinlicher, im Lotto zu gewinnen, als einen Bestseller zu schreiben. (also spielt nebenbei Lotto!)
6: Man kann sich überschlagen und verrückt machen, um mit flatternden Fingern exakt das zu schreiben, von dem die Agenturen sagen, es werde gerade dringend gesucht (also beispielsweise: Eine Liebesgeschichte zwischen ihr, 36 einhalb und ihm, 41, in Nordirland, wobei sie allerdings aus Berlin kommt und seine Großmutter auch mal in Charlottenburg gewohnt hat und wo dann vor allen Dingen so um Seite 82, 83 herum (hier ist Flexibilität möglich), ein Katze auftaucht, die schwarz-weiß gefleckt (nicht gestreift!!!) ist, und wo sie, im übrigen goldblond, sehr viele französische Schokoladen Fondants bäckt und sich nicht darum schert, dass sie wegen der ganzen Schokolade inzwischen schon Kleidergröße 36 hat, weil sie durch seine Liebe, welche sie aber erst am Ende erwirbt, über solch irdischen Dingen wie Konfektionsgrößen steht, da er nämlich (seines Zeichens Graf) ihr jede Menge maßgeschneiderte Kleider schenkt).
Aber diese Methode, so Nina George, ist mühsam, nicht immer zielführend, weil man gar nicht so schnell schreiben kann, wie sich die Gelüste launischer Agenten ändern, und Spaß macht es auch nicht. Ihr Erfolgsrezept lautet deshalb:
Schreibt, was ihr wollt, und schreibt viel.
Na dennProst!

Vom Schreiben im Grünen – Schreibreisen und Stipendien

Hier mal auf die Schnelle 3 interessante Hinweise für euch, was die unglaublich beflügelnde Wirkung von Ortsveränderungen auf das Schreiben, insbesondere, wenn sie mit Einsamkeit oder Gemeinsamkeit oder Meer und Gebirgen, zumindest Weinbergen einhergehen, betrifft:

Schreibreisen-Stipendien - Sonnenuntergang mit Palmen - Wenn die Sonne untergeht auf La Gomera
Schreiben statt unterzugehen!

1: Jessica Potthast, die sich wacker durch unsere 4. Autorenausbildung schlägt, leidet an unseren verweichlichten Arbeits-Wochenenden in Berlin Mitte mit Lunch beim Asiaten und U-Bahn vor der Tür wohl nicht genug. Deshalb hat sie sich jetzt für 4 Wochen in irgendeine brandenburgische Einöde kurz vor Polen zurückgezogen, um sich fern jeglicher Ablenkungen ganz und gar ihrem Romanprojekt auszuliefern. Bevor ich das nachmache, warte ich erst mal ab, wie sie am Wochenende, tapfer nach Berlin zurückgekehrt, so aussieht…aber hier ihr schon mal schonungsloser Erfahrungsbericht!

2: Wenn Jessicas Bericht euch anfixt, ihr für diese Challenge aber gern ein bisschen Schmerzensgeld bekämt, könnt ich euch bis zum 30.9. um ein Stipendium im Künstlerhaus Edenkoben bewerben:

3: Alle, die sich zum Schreiben eher Anleitung, Gemeinschaft, Sonne, Gebirge, Ozean & Tapas wünschen, können im Oktober mit dem Schreibhain auf die zauberhafte Insel La Gomera fliegen!

Schreibreise nach La Gomera

Interessantes:
El Silbo die Pfeifsprache der Gomeros
Mit der Pfeifsprache El Silbo haben die Einwohner von La Gomera eine weltweit einzigartige Sprache entwickelt, mit der sie die zahlreichen tiefen Schluchten von Gomera überbrücken konnten. Von der Unesco wurde Silbo Gomero zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.
Ein Teil der gomerischen Inselbevölkerung beherrscht sie bis heute, die traditionsreiche Pfeifsprache El Silbo – und es werden immer mehr.

Jedem Anfang wohnt ein Zaudern inne

Seit gut einem Duzend von Jahren fällt mir in regelmäßigen Abständen mit leichten Bauchschmerzen ein, dass ich dringend mal einen Blog schreiben sollte. Nicht nur eine WordPress-Seite einrichten und das Passwort vergessen, sondern: Schreiben. Weil Schreiben nun mal das ist, was Schriftstellerinnen so machen. (Wobei die Gattung von Schriftsteller_innen, zu der ich gehöre, eher über das Schreiben spricht oder grübelt als es zu tun, aber das wäre ein anderes Kapitel, beziehungsweise ein anderer Beitrag! So, wie ich zuweilen auch über das Leben mehr spreche oder grüble, statt es – aber auch das wäre schon wieder ein anderer Beitrag).

blog schreiben im Café im Sonnenschein
Schreiben im Café

Warum nur habe ich trotzdem niemals nicht auch nur den winzigsten Blog geschrieben in den letzten dutzend Jahren? Mir fallen so um die 123 mögliche Gründe hierfür ein. Zum Beispiel: 1:Weil ich zu träge bin…trallala…oder 2: weil ich zu oft damit beschäftigt war, Bücher zu schreiben. Und ich doch außerdem – 1. Oder, weil ich zu viel Zeit mit dem Lehren des Schreibens verbringe – nämlich hier: Schreibhain – zusätzlich zu 2. und 1. Außerdem – 4: habe ich vielleicht Angst, ein Blog könnte endlich ans Tageslicht bringen, a) wie schlecht ich wirklich schreibe b) wie wenig ich zu sagen habe c) wie unsympathisch ich bin, d) wie irre ich bin e) und so weiter. Vielleicht hatte ich auch 5. Angst, jemand könnte mein Geschreibsel tatsächlich lesen. Oder 6: niemand könnte es lesen. Oder mir war 7. instinktiv klar, dass es mir schwer fallen würde, mich angemessen kurz zu halten. Oder ich wollte 8. nicht riskieren, dass bei der Olympiade jemand anderes die Goldmedaille in Prokrastination holt.

Egal. Jetzt wird das alles anders. Ab jetzt schreibe ich. Über das Schreiben natürlich. Und lese. Was ihr so schreibt.

Was lässt euch denn zaudern? Beim Schreiben und generell?